Schweden – Sommer 2011

09.07.-15.07.

09.07.2011 Tomteland und Kleinstadtfeeling in der Dalarnaregion

Leider müssen wir uns heute morgen von diesem wunderschönen Fleckchen Erde wieder verabschieden, denn unsere Reise soll uns noch einige weitere schöne Orte zeigen.

BILD

Da wir am Vorabend auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz nur auf die Schnelle um den Siljansee gefahren sind und uns keine Zeit für Besichtigungen gelassen haben, wird dies heute nachgeholt. BILD

Der Weg führt uns entlang der etwas ruhigeren Südseite des Sees weiter in Richtung Leksand. Kurz vor Gesunda treffen wir auf einen Wegweiser zum Tomteland. Da wir auch noch immer etwas Kind geblieben sind, treibt uns die Neugier nach dem Nikolaus direkt in diesen Park hinein. Im liebevollen Stil und extrem detailgetreu ist hier die Werkstatt und das Wohnhaus von Nikolaus nachgebaut worden. Die Häuschen seiner Mitgehilfen und Trollen sind schnuckelig im Walde aufgestellt und lassen nicht nur das Kinderherz höher schlagen. Von den angekündigten Elchen und Rentieren ist in diesem Park jedoch wenig zu sehen, die sind wohl momentan mit Nikolaus unterwegs auf einem Ausritt wie es scheint.

BILD BILD

Weiter geht die geplante Route nun nach Leksand. Das Touristenörtchen ist heute – da Wochenende und Haupteinfallsschneise der meisten Urlauber – praktisch überflutet mit Touristen und Einheimischen. Ein netter schwedischer Kapitän erlaubt uns, den Busparkplatz am Hafen zu benutzen, so dass wir doch noch die Möglichkeit finden, Leksand zu erkunden. Das Dorf ist so klein und so von Menschen bewandert zur Zeit, dass wir hier keine Chance sehen irgendwo etwas schwedisches Essen zu können.



Vom Hunger getrieben fahren wir weiter dem See entlang nach Nordosten ins Dorf Rättvik. BILD BILD
Die Ostecke des Sees ist mit einem extrem flachen Sandstrand gesäumt. Kein Wunder, dass sich hier die Badelustigen tummeln. 625m in den See hinein führt eine lange Holzbrücke, von deren Ende wir einen wunderbaren Ausblick auf Rättvik geniessen können. Wieder an Land geht es jetzt aber erst einmal hinter die verschiedenen "Restaurang", wie man sie auf schwedisch nennt. Aus dieser Region – um genau zu sein aus Falun – stammt die überall angebotene Wurst Falukorv. Eine Mahlzeit, deren geschichtlichen Ursprung bis ins 17. Jahrhundert zurück geht und natürlich probiert werden muss.

BILD

Mit gefülltem Magen schlendern wir durch die Einkaufsstrassen zurück zum Womo und geniessen den Rest des Dorfes. Nun geht es weiter nach Falun. Falun – die "Hauptstadt" der Dalarnaregion – ist nicht nur ein Industrieort, sondern auch ein Wintersportort. Hoch über der Stadt sieht man schon von weitem die beiden Skisprungschanzen trohnen. BILD BILD



Nebst der obligatorischen Besichtigung des Stadtkerns zieht uns vor allem das grösste Loch Schwedens an diesen Ort.





BILD




Die Kupfergrube aus dem 11. Jahrhundert hat dazu geführt, dass Falun im 17. Jahrhundert zur zweitgrössten schwedischen Stadt herangewachsen ist und derzeit grösster Kupferproduzent der Welt war.





BILD


Von diesem Ort stammt auch die rote Farbe (Falu-röd), welche an fast jedem schwedischen Häuschen zu sehen ist. Sie ist ein Abfallprodukt des Bergwerks und wird aus verwittertem eisenvitriolhaltigen Rotstaub hergestellt. Dass die Farbe billig, lange haltbar, leicht aufzutragen und überdies noch giftfrei ist, scheint mitunter ein Grund zu sein, dass praktisch ganz Schweden in "Falu-röd" erleuchtet.




Da in der Zwischenzeit unsere Akkus wieder leer sind und der Camper auch wieder etwas Frischwasser braucht suchen wir für die nächsten zwei Tage einen Campingplatz. Rund um Falun scheint es dafür keine geeigneten Plätze zu geben, was uns bis nach Gävle führt. Die Stadt an der Ostsee – somit wieder am Salzwasser – scheint uns dafür optimal.

10.07.2011 Ein Campingtag mit ungeahnten Folgen

BILD

Heute verbringen wir einen gemütlichen Tag auf dem Camping in Engesberg und ruhen etwas aus. Der Morgen gehört dem schönen Wetter und der Wäsche, die auch mal gemacht werden muss. Nach einem kleinen Imbiss und nachdem die Wäsche fertig ist und nur noch an der Sonne trocknen soll, wollen wir die Umgebung etwas erkunden. Mit dem Fotoapparat bewaffnet machen wir uns auf den Weg durch den Wald. Vorbei an verschiedenen Wohnhäusern und entlang des Meeres führt uns der Pfad immer weiter in den Wald hinein. Der Himmel ist inzwischen schwarz geworden und das Ostküstenwetter macht sich bemerkbar. In dem Baumwipfeln windet es schon recht stark, so dass sich die Bäume scheinbar zu uns auf den Weg hinunter biegen. Etwas schneller als erwartet bricht dann das Unwetter über uns herein. Grosse schwere Regentropfen bringen uns eine abkühlende Dusche.

BILD BILD
BILD

Glücklicherweise sind wir noch nicht so weit von unserem Womo entfernt, so dass wir in Windeseile wieder zurücksprinten können. Dort angekommen sind wir trotz schnellem Laufen recht nass geworden. Wir trocknen uns ein wenig ab und bestaunen die Rinnsale, die inzwischen den Fenstern entlang nach unten laufen. Vor dem Camper sammelt sich das Regenwasser schon in kleinen Seen an.


Von der knisternden Stimmung draussen angesteckt schnappen wir uns unser Krimibuch und ein paar Pistaziennüsse und geniessen die spannenden Geschichten.


Nach ca. 2 Stunden ist das Unwetter vorbeigezogen und aus den umliegenden Zelten und Campern schälen sich langsam wieder die anderen Gäste. Wir tun es ihnen gleich, stellen unseren Tisch und die Stühle wieder auf und geniessen ein Abendessen und einen anschliessenden gemütlichen Abend bei Sonnenschein.

11.07.2011 Stockholm – eine Grosstadt mit Charme

07:45
Nach der gestrigen Abendplanung ist uns klar geworden, dass wir noch einiges von Schweden sehen möchten. Wir haben auch noch gute 2 Wochen vor uns, dürfen dies jedoch nicht unterschätzen. Aus diesem Grund sind wir heute etwas früher aufgestanden als üblich. Uns steht heute die lange Fahrt nach Stockholm bevor.

BILD

Die Fahrt entlang der E4 ist wie erwartet nicht besonders interessant und zieht sich gefühlsmässig in die Länge. Als wir endlich in Stockholm angelangen, führt uns das Navi direkt zum Womoplatz mitten in Stockholm auf der Insel Langholmen. Da wir im Vorfeld nicht reserviert haben – es war auch nicht anders zu erwarten – werden wir auf Grund Überbuchung wieder abgewiesen. Im Nachhinein stellt sich dies jedoch als Glücksfall heraus, denn wir finden einen mindesten doppelt so schönen Platz. Zwar liegt dieser nicht direkt im Zentrum von Stockholm, dieses ist jedoch mit der U-Bahn innerhalb von 15 Minuten zu erreichen. Unser Platz befindet sich direkt an den Mälaren in einer parkähnlichen Grünanlage. Schade, dass wir hier nur eine Nacht bleiben werden.


BILD
Nachdem wir eingecheckt haben und unser Womo platziert ist – für einmal nicht von Schweden umringt sondern in Mitten von Deutschen und Schweizern – geniessen wir einen Seepromenade- und Waldspaziergang mit Fangio entlang der Mälaren.

Nach unserer Rückkehr lassen wir Fangio im Camper. Die Grosstadtluft von Stockholm und die Wärme dort sind für ihn nicht so angenehm. Wir ziehen also alleine los und suchen die Metrostation in der Nähe.



BILD BILD BILD


15 Minuten später sind wir tatsächlich schon in der Altstadt von Stockholm in Gamla Stan.





BILD

Auf diesem Inselteil finden wir ein Regierungsgebäude im baroken Stil, den alten Dom und der schlichte ehemalige Sitz des Königspaars. Da wir gerade um Punkt 16 Uhr hinter dem Palast eintreffen kommen wir noch in den Genuss, die schwedische Wachablösung miterleben zu dürfen. Ein Akt, den man auf keinen Fall missen sollte wenn man die Möglichkeit dazu hat.
BILD BILD




Durch verwinkelte Gässchen und schnuckelige Einkaufssträsschen mit Cafés und Touristenläden wandern wir die Altstadt hindurch und geniessen deren Flair. Der feine Duft bei jedem "Restaurang" verführt uns nach und nach und weckt den Hunger. Bevor wir wieder zurück zum Camper und zu Fangio fahren gönnen wir uns für einen Abend ein Essen auswärts.
BILD





Mit gefüllten Mägen und ein paar Kronen weniger in der Tasche – Souvenirs und Mitbringsel wurden schön brav eingekauft – treffen wir am frühen Abend wieder beim Camper ein. Schnell sind der Tisch und die Stühle aufgestellt, so dass wir die Nachspeise und den warmen Abend draussen noch geniessen können.



12.07.2011 Die ungetrübte Idylle der Schären von Stockholm

Heute soll uns unsere Reise zu den 24'000 Schären von Stockholm führen. Leider bleibt uns keine Zeit, die wunderschöne Schärenregion mit dem Schiff zu erkunden. Eine Tour mit dem Dampfer ist nur als Einwegtour machbar und nicht als Tagestour. Eine Erkundung mit dem Kanu ist mit Fangio auch nicht wirklich durchführbar. Somit bleibt uns die bestmögliche Anfahrtsroute mit dem Camper zu suchen und von dort die Landschaft zu Fuss zu erkunden.

BILD BILD BILD

Unsere erste Etappe ist Vaxholm. Hier wimmelt es von Touristen, die das Dorf anschauen, am Hafen auf die verschiedenen Dampfer warten und schon in der Schlange stehen, um auf einer nächsten Insel wieder an Land gehen zu können.

Da uns die Einsamkeit und die Idylle lieber ist, sind wir froh nicht diesen Weg gewählt zu haben. Wir suchen den idyllischen und gemütlichen Teil von Vaxholm, um ein paar schöne Eindrücke zu sammeln und Fotos zu schiessen.

BILD

Von hier steigen wir mit dem Camper auf die kleine Gratis-Fähre um, die quasi als Verlängerung der Strasse auf die nächstgelegene Insel Rindö dient. Ein Glück, dass dieser Weg praktisch nur von Schweden benutzt wird. Rindö ist eine lange schmale Insel, die mit einer Strasse quer hindurch schnell erkundet ist. Da unser Ziel erst auf der nächsten Insel liegt, fahren wir kurzerhand über Rindö bis zur nächsten Fährstrasse und lassen uns nach Stenlätten überführen. Von dort suchen wir in unserem Wandergarmin einen schönen Ort, an der Küste mit Blick auf die Schären. Boda ist schnell gefunden. Hier führt die Strasse direkt bis ans Meer bzw. fast ins Meer hinein. Auf einer dafür vorgesehenen Grünfläche platzieren wir unser Womo und erkunden diesen Teil der Insel.

BILD BILD

Ein Pfad führt uns hinauf auf die Felsen wo wir die wilden Hasen aufscheuchen und dafür einen wunderbaren Blick auf die idyllische Bucht von Boda und auf die Schären gewinnen. Traumhaft! Vorbei zwischen den "Blabär"-Sträuchern wandern wir wieder nach unten und spazieren in der Sonne zum kleinen Hafen hinunter. Wir setzen uns dort ein wenig erhöht auf die Steinfelsen, lassen die Schären auf uns wirken und saugen die Ruhe und die Natur ein. Die grossen Dampfer, welche mit Touristen beladen an uns vorbei ziehen heben sich von dieser Idylle ab und scheinen sich gar nicht in dieses Bild integrieren zu können. Ihre Grösse übertrifft sogar die der angrenzenden Inseln, was das Ganze etwas absurd erscheinen lässt.

BILD BILD BILD











Nachdem wir alle aufgetankt sind geht die Fahrt weiter – wieder einmal auf die Suche – zu einem Übernachtungsplatz. Dass wir hier in der Wildnis etwas finden, wo wir ungestört und ohne ein Privatgelände zu betreten übernachten können, erscheint aussichtslos. Wir befahren mindestens 3 wunderschöne Fleckchen mit supertoller und prominenter Aussicht auf einen See, jedoch findet sich an deren Ende meistens ein Wohngebiet oder eine Tafel, die uns die Durch- / Weiterfahrt verweigert. So führt uns der Weg weiter zum Hjälmaren – dem kleineren See neben den Mälaren – wo wir auf einem Camping übernachten.
BILD BILD



Unser Platz ist nicht ganz direkt am See wie gewünscht. Dennoch können wir uns nicht beklagen. Zwischen den Bäumen hindurch haben wir direkten Seeblick und können den bevorstehenden Sonnenuntergang geniessen.





Ein Naturspiel der etwas anderen Art bietet sich uns hier und heute. Vor uns der See mit seiner untergehenden Sonne, über uns der nieselnde Regen, der unsere Köpfe nässt und hinter uns der Regenbogen, der sich in seiner strahlenden Farbenpracht schützend über den Campingplatz erhebt. Ja, hier haben wir in Tat und Wahrheit den richtigen Platz für diese Nacht gefunden!
BILD BILD BILD











13.07.2011 Die unheimliche Macht des Tiveden

BILD




Heute gilt es zu überlegen, ob wir diesen wundervollen Ort schon wieder verlassen möchten, oder ob unsere Tage hier noch nicht gezählt sind. Wie auch schon andere Male leistet uns der mitgebrachte Reiseführer hierbei gute Dienste. Durch die romantische und verwilderte Beschreibung des Tiveden Nationalparkes am Nordende des Vätternsees ist schnell klar, dass unsere Fahrt heute weiter geht. Unser nächstes Ziel ist für einmal nicht so weit weg, was uns noch ein wenig Zeit lässt, die Ruhe und die Sonne hier auf dem Platz zu geniessen, ehe wir unsere Zelte wieder abbrechen.





BILD

BILD

11:30
Strom ist gekappt und ausgecheckt ist auch. Los geht es in den Nationalpark. Auf dem Weg zum Nationalpark fahren wir an einem Camping vorbei. In weiser Voraussicht fahren wir ihn an und checken dort schon mal ein. Ein nettes holländisches Paar erklärt uns noch ein paar Kniffs und Tricks über den Nationalpark und weist uns auf die schönsten Wanderrouten hin. Unserem Glück heute kann nun nichts mehr im Wege stehen. So machen wir uns auf in den Park.


Nachdem wir uns im kleinen Touristenbüro kundig gemacht haben welche Routen uns gefallen stürzen wir uns ins Abenteuer. Für den heutigen Tag ist die Trollkyrkorunde vorgesehen. Eine Wanderung von ca. 6km über Stock und Stein, über Fels und Wald mit einer Dauer von ca. 3 Stunden.

BILD

Die erste Etappe führt uns auf den Oxaberget, einen Fels, von dem wir eine wunderbare Ausicht auf den Abborrasjön (See) geniessen. Erstaunlich, wie hier die Bäume einfach so aus dem Fels wachsen und sich fortpflanzen und so leben können. Der markierte Pfad führt uns danach tief in den Wald hinein. Links und rechts sind meist nur noch Bäume, Felsen, die bekannten weissen Rentierflechten und viel Moos und anderes Grünzeug zu sehen. Nach und nach dringen wir tiefer in den Urwald ein und lassen die Zivilisation weit hinter uns. Ein paar letzte Menschen kommen uns entgegen. Was wir nicht nicht wissen: es werden die letzten menschlichen Lebewesen sein, die wir für die nächsten 3 Stunden gesehen haben.

Vor 300 Mio. Jahren ist die Senke des Vätternsees entstanden. Wir steigen nun in diese Talsenke hinunter und bewundern die grossen Granitbrocken, die das damalige Gletschereis geschliffen hat und uns nun als Schauspiel der Natur übrig gelassen hat. Es ist kaum noch vorstellbar welche Naturgewalten damals geherrscht hatten und wie es früher ausgesehen hatte.

BILD

Der Weg führt nun wieder hinauf auf ca. 200 Höhenmeter. Wir klettern der Sonne entgegen und geniessen die Aussicht über das ganze Tivedengebiet und den Blick auf den himmelblauen Vätternsee. Hier bleiben wir für eine Weile. BILD

Das einzige Geräusch, das hier zu hören ist, ist der fleissige Specht ein paar Bäume weiter und die untereinander kommunizierenden Vögel. Ob uns auf dieser gemütlichen Anhöhe ein kleiner Troll aus dem verzauberten Walde beim Sonnenbaden beobachtet? Möglich ist alles, denn hier scheint die Zeit still zu stehen. Wir geniessen diesen Platz auf dem Fels in vollen Zügen und profitieren davon so gut es geht! Ein Weile später – getankt mit Energie und frischer Kraft – überlassen wir den Troll wieder seinem Schicksal, geben ihm die Ruhe und seinen Platz zurück und steigen wieder auf den Wanderweg hinunter.

BILD

Links und rechts des Weges erwartet uns hier das saftig grün leuchtende Moosbett und die spriessenden Farn. Weiter vorne erblicken wir einen Baumstrunk, der einer abstrakten Skulptur gleicht. Er ist ein Überbleibsel aus dem Waldbrand von 1853. Brände waren eine natürliche Erscheinung im Urwald und trugen dazu bei, Platz für neue Waldgenerationen zu schaffen. Ein Wunder, dass der älteste datierte und noch lebende Baum aus dem Nationalpark aus dem 16. Jahrhundert stammt und all diese Brände überlebt hat.


BILD


Unsere nächste Faszination etwas weiter des Weges gilt dem Trollkyrkosjön. Dieser See ist glasklar, erscheint uns jedoch auf Grund des sich spiegelnden Waldes grün. Der Trollkyrkosjön scheint mittlerweile in der Umgebung fast der einzige See zu sein, der noch nicht übersäuert ist und sein glasklares Wasser immer noch bewahren kann. In den umliegenden Seen hat sich das Wasser durch die Huminstoffe der Moore und Böden nach und nach braun gefärbt und erscheint irgendwie dreckig. Ein kühles Bad in diesem glasklaren Wasser darf sich Fangio natürlich nicht entgehen lassen. Das Wasser wirkt so sauber und frisch, dass wir direkt Lust verspüren daraus zu trinken.


Der Weg zweigt nun vom See ab und zeigt uns eine ehemalige Feldkirche. Feldgottesdienste waren im 18./19. Jahrhundert in Schweden verboten. An diesem Ort haben sich zur damaligen Zeit Gleichgesinnte versammelt und Gottesdienste ohne Pfarrer und Kirche abgehalten.

BILD BILD

Ein typischer Waldsee für Tiveden ist der Metesee, den wir einige Meter weiter entdecken. Diesmal ein See, in welchem das braune schon versäuerte Wasser gut zu erkennen ist. In Wasser mit so tiefem pH-Wert haben die Fische keine Möglichkeit mehr zu überleben, sie finden hier weder ideale Nahrung noch den nötigen Sauerstoff dazu.




BILD BILD

Unsere Reise in die Ruhe und Stille nimmt neigt sich leider langsam dem Ende zu. Von den vielen Tieren, die hier im Urwald hausen können wir uns nur ein Bild machen. Von einigen konnten wir in der Stille die Stimmen hören und von anderen haben wir deren Spuren (Hinterlassenschaften eines Elchbullen) gesehen. Ein Zeichen von Natur ist hier wirklich vorhanden. Diese Wanderroute ist jedem von Herzen zu empfehlen. Schreckt nicht vor deren Länge zurück und schon gar nicht davor, dass die Strecke unwegsam sein soll. Wir haben sie alles andere als unwegsam empfunden.

Geleitet von den verschiedenen Naturerlebnissen und den Trollen die uns hinter den Bäumen hervor und aus ihren Hüttchen heraus beobachtet haben, konnten wir uns hier wunderbar erholen und dem "Mensch-Sein" für eine Weile entfliehen.


14.07.2011 Die Abschiedsrunde vom Tiveden

BILD
Uns hat der Ausflug in den Nationalpark Tiveden gestern so gut gefallen, da ist es klar, dass sich unser heutiges Ziel noch einmal dort befindet. Da uns gestern eine zweite Route den Kopf verdreht hat, möchten wir diese heute unbedingt noch durchführen. Die heutige Wanderung ist lediglich 2km lang und daher optimal für einen Morgenspaziergang und eine anschliessende Weiterfahrt in den Süden Schwedens.

BILD
Unsere heutige Runde nennt sich Stenkällerundan. Schon kurz nach Beginn werden wir belohnt mit einer schönen Aussicht auf den Ödlesjön. Ein See, der nach der damals darin lebenden Spezies benannt wurde. Nach dem Vattenödlor – dem Molch – der hier häufig anzutreffen war. Inzwischen ist jedoch auch der Molch durch die Übersäuerung des Gewässers nicht mehr hier zu finden.

Trotz ihrer Kürze scheint diese Strecke heute etwas unwegsamer zu sein als diese von gestern. Wir klettern über grosse Wurzelbildungen hinauf und erklimmen zum Teil mit steilen kurzen Treppen den nächsten Fels. Fangio meistert die ganze Sache wie wenn er schon Jahre hier leben würde und es macht auch ihm offensichtlich Spass hier mitten im Urwald.

Der beste Aussichtspunkt auf dieser Runde ist der Stenkälleklack. Nicht ganz so ein Klacks wie der Namen sagt, aber auch hier natürlich sehr lohnenswert diese 200m in die Höhe zu steigen und sich die Sicht auf den Nadelwald zu gönnen. Mit den Spitzen der Tannen schon Aug' in Auge blicken wir hier auf den weiten Urwald Tivedens, sowie auf den Vätternsee hinunter.

Kaum wieder unten angelangt werden wir schon mit dem nächsten Naturwunder beglückt. Die Stenkälle, eine kleine Höhle mit einer eigenen Quelle, die sich unter den riesigen Felsblöcken im Laufe der Zeit gebildet hat. Der Pfad führt durch die Höhle, vorbei an grün gesäumten Moorlandschaften, wo wir einige drollige, natürlich entstandene Wurzelskulpturen entdecken können.

BILD BILD

Wir dringen nun immer tiefer in den Wald und in die Moorlandschaft ein, bis wir auf einer Landzunge (Älgasund) wieder an einen See gelangen. An diesem idyllischen Ort gibt es sogar einen grossen Sandstrand und mehrere kleine Buchten. Ein Paradies für wassernärrische Hunde und für Naturgeniesser wie wir. Keine Frage, hier bleiben wir ein paar Minuten und lassen die Einsamkeit und die Natur in ihrer vollen Pracht auf uns wirken. Fangio geniesst es über den Sandstrand traben zu können, das kühle spritzende Nass an seinen Beinen und den Wind der um seine Ohren weht.

BILD BILD

Der Rückweg zum Womo führt uns nun über grosse Überbleibsel der Eiszeit. Die grossen Felsplatten, welche wir nun besteigen zeigen mit ihren Rissen deutliche Spuren der Kraft, die vor mehr als zehntausend Jahren auf sie wirkte. Die Granitblöcke bieten uns einen letzten Blick auf den See, bevor wir wieder hinunter steigen und im Womo weiterfahren.




BILD

Kurz nach – bzw. vor – dem Nationalpark liegt das Tivedstorp. Ein Dorf, das vor ca. Zehntausend Jahren von einer finnischen Kolonie gegründet wurde. Einige wenige Häuser der damaligen Zeit sind noch zu sehen. Bis heute ist es jedoch lediglich eine Touristenattraktion mit einer Kaffestuga und einer Kyrka. Die Ansiedlung von schwedischen Landsleuten ist erst im Entstehen.

Unsere Schwedenrundreise führt uns jetzt ein kleines Stück weiter in den Süden nach Forsvik. Dort lockt der Götakanal und die Forsviks Bruk. Forsviks Bruk ist inzwischen ein Naturmuseum wie wir auch schon einige gesehen haben auf unserer Reise. Hier wurde Papier gefertigt, Korn gemahlen, Dampfschiffe gebaut nach dem schwedischen Schiffbauer Eric Nordevall, sowie vieles mehr. Eine Art Industriedorf zu seiner Zeit.

BILD
In Forsvik lockt uns aber vor allem der Götakanal. Der Götakanal ist ein Kulturerbe aus dem jahre 1813. Während 23 Jahren wurde der Kanal von 58'000 eingeteilten Soldaten erbaut. 500 Landsmänner errichteten die Schleuse, die noch heute in vollem Betrieb ist. Mit einer Fallhöhe von 3.5m ist sie die höchste Einzelschleuse im Götakanal.

Am selben Ort findet sich auch die älteste Eisenbrücke Schwedens – die Doppelklappbrücke–, welche um 1813 erbaut wurde. Die Brücke wird heute nicht mehr benutzt und bleibt immer hochgeklappt. Sie wäre jedoch seit der Renovierung im Jahre 1986 wieder voll funktionstüchtig.

Direkt neben der Doppelklappbrücke führt die Hauptverkehrsachse von Forsvik über den Göta-Kanal. Jedes Mal wenn ein grosses Segelschiff oder ein Dampfschiff den Kanal und die Schleuse passiert, werden die Autos zu beiden Seiten angehalten und die Strasse wird hochgeklappt. Wenn man bedenkt wie kurz die Fahrzeiten bei nach unten geklappter Brücke sind, dann ist es ratsamer hier mit dem Schiff durch Forsvik zu fahren als auf der Strasse.


BILD BILD

Da wir auch hier wieder auf der Suche nach ein paar Caches sind, wandern wir dem Kanal entlang durch ein Wohnviertel bis an dessen Ende. Der Rückweg führt uns direkt dem Kanal entlang wieder zurück ins Dorf und beglückt uns mit dem Schauspiel, dass ein grosser Dampfer den Kanal entlang fährt und sich in der Schleuse auf die andere Seite hinunter sinken lässt.



Wieder zurück beim Womo fahren wir weiter nach Karlsborg. Auch hier führt der Götakanal durch, jedoch nur an einer so kleinen Stelle, die es kaum nennenswert ist wenn man zuvor das Naturschauspiel in Forsvik gesehen hat. In Karlsborg möchten wir einen Blick auf die Festung – oder besser gesagt auf das Festungsquartier – werfen.

BILD

17:40
Das Festungsdorf ist zwar beeindruckend, aber um diese Uhrzeit – es ist schon bald sechs Uhr – so verlassen, dass wir nur eine schnelle Runde drehen. Die Museen und Sehenswürdigkeiten schliessen in 20 Minuten. Uns soll es recht sein, denn durch den inzwischen eingesetzten Regen ist uns die Wanderlust etwas vergangen. Nach einer schnellen Runde sind wir wieder am Trockenen in unserem Womo und fahren den nächsten Camping in Hjo an. Mit Blick auf den See gönnen wir uns vor dem Abendessen heute eine Ruhepause und holen das versäumte Tagebuchschreiben nach.

BILD



Der Vätternsee vor uns, der zweitgrösste See in Schweden ist der tiefste See hier. Mit seinem glasklaren Wasser soll man bis mindestens 15m in die Tiefe sehen können. Leider bleibt uns diese Erfahrung bei diesem windigen Regenwetter verhöhnt. Auf Grund des starken Windes und des schlechten Wetters macht uns der See – mit seinen schäumenden Wellen und dem fast endlosen Horizont – momentan eher den Eindruck ein Meer zu sein. Ich bin schon neugierig, was uns das morgige Wetter hier am See für Eindrücke bringen wird.


15.07.2011 Nässjö – Eksjö – Vetlanda

Heute morgen starten wir mit leicht besserem Wetter als gestern. Die Wolken am Himmel hinterlassen aber keinen guten Eindruck und bringen uns die Kaltluftfront immer näher. Ob es vorbei ist mit dem schönen Wetter hier für uns?

Bei dieser Kälte brechen wir unsere Zelte schon früh ab und reisen weiter in Richtung Nässjö, Eksjö und Vetlanda. Heute stehen ein paar kleine Dorfbesichtigungen auf dem Plan und hin und wieder ein Cacherhalt, den es ja schon eine Weile nicht mehr gab.
BILD BILD

Nässjö ist der grösste Eisenbahnknotenpunkt von Schweden. Das Dorf selbst bietet nicht viel interessantes, aber die Hinfahrt ist auf jeden Fall lohnenswert. Die Strasse führt vorbei an vielen kleinen Seen und durch die typischen schwedischen Nadelwälder. Unser Dorfrundgang führt uns durch den Seepark, wo wir vielen Enten, Schwänen und Möven begegnen, die sich auf der Wiese zwischen den Fussgängern tummeln. Ein lustiges Schauspiel.



BILD BILD

Eksjö ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Es scheint, als wären wir hier die einzigen ausländischen Individuen. Um so besser für uns. In Eksjö finden wir den Altstadtteil, der noch aus dem 15./16. Jahrhundert stammt. Die Häuschen, die sich hier in Reih und Glied in den verschiedensten Farben und mit schönsten verzierten Schildern präsentieren sind noch aus Holz gebaut. Die Gässchen laden zu gemütlichem Bummeln ein und lassen uns in frühere Zeiten entschwinden. Ganz klar, dass wir hier eine Weile bleiben und uns aus einer Konditorei mit schwedischem Gebäck genüsslich die Idylle hier versüssen.

BILD
BILD

Auf der Fahrt nach Vetlanda wo wir auch übernachten werden, finden wir eine niedliche Raststätte, an der man unbedingt einen Halt machen muss. Hinter den Büschen an der Strasse führt eine Brücke auf ein kleines Inselchen mitten in einem See. Schnell vergisst man hier, dass man sich vor einigen Sekunden noch auf einer Schnellstrasse befunden hat. Kein Wunder, dass wir hier einen Cache entdecken und mit ihm auch noch eine schwedische Familie, die mit der selben Absicht hier ist wie wir.

BILD


Durch die unzähligen Cacherhalts ist es schon langsam spät geworden und wir machen uns auf den Weg zum Campingplatz. Welch ein Glück, wir finden einen Platz mit Aussicht direkt auf den See. Logisch, dass wir – auch bei etwas kalten Wetter – draussen Essen und uns diese Aussicht und die Ruhe – der Camping ist fast menschenleer – nicht entgehen lassen.





Nach oben
Copyright © Sabine Mueller